Für die einen ist es in Ordnung, Tiere für den Verzehr zu töten, sofern sie ein “annähernd angenehmes” Leben hatten. Für die anderen ist das Töten an sich nicht mit dem Gewissen vereinbar. Zu diesem Thema nahmen der Initiator von Meine kleine Farm Dennis Buchmann und Tanja Wiemann von Dein Freund e.V. Stellung.
PRO (Dennis Buchmann)
Ich habe ein besseres Gewissen, wenn ich mein egoistisches Verlangen nach Fleischgenuss stille und dabei weiß, dass das Tier ein gutes Leben hatte, als wenn ich weiß, dass der Tod für das Tier, welches ich esse, nur die Erlösung einer lebenslangen Qual war.
Esse ich Fleisch aus Massentierhaltung, weiß ich, verdränge es aber: Die Tiere, aus denen dieses Fleisch ist, haben Qualen erlitten. Durch das Verdrängen dieser Tatsache handele ich unverantwortlich, weil ich das Wissen um die Folgen meines Handelns ignoriere. Hinzu kommt noch der Aspekt der Umweltzerstörung: Durch massenhaften Fleischkonsum werden Ökosysteme zerstört und natürliche Ressourcen überlastet. Auch diese Tatsache kann jeder, der mag ignorieren, à la „Was geht’s mich an?“. Die Gesetzgebung verbietet es schließlich nicht, viel Fleisch aus Massentierhaltung zu essen.
Vorausgesetzt aber, dass man verantwortlich gegenüber den nachfolgenden Generationen und höheren Säugetieren handeln möchte, kann man sein Verhalten entsprechend ändern. Der konsequenteste Weg: Vegan werden. Aber gerade weil dies meiner Meinung nach eine subjektive Entscheidung und eine Abwägung zwischen „egoistischer“ Lebensfreude und Verantwortung „für die Welt“ ist, kann bewusster Fleischkonsum ein Mittelweg sein. Ein reduzierter Fleischkonsum ist gut für die Umwelt, und stammt das Fleisch auch noch aus artgerechter Haltung (was das genau ist, ist umstritten), zeigt man sich auch verantwortlich den Tieren gegenüber.
Kann etwa ein Freilandschwein den ganzen Tag mit seiner Nase in der Erde rumwühlen und auch sonst fast alles machen, was es will, kann man zumindest behaupten, dass es dem Tier nicht schlecht geht. Die Tötung selbst muss dann ebenfalls stressfrei vonstatten gehen (geringe Transportwege, keine Hektik, etc.). Betrachtet man nun das Leben als den zentralen und bewussten Teil eines Lebewesens, dann lässt sich zumindest sagen: Das Schwein hatte ein gutes Leben. Kompliziert wird es, wenn man sich fragt, ob es besser ist, ein gutes Schweineleben als Fleischproduzent zu führen oder gar kein Leben. Denn würden die Freilandschweine nicht gegessen, würden sie nicht geboren werden. Meiner Meinung nach geht es um das Leben und nicht um den Tod, der früher oder später bei jedem Lebewesen eintritt. Moralisch verwerflicher ist für mich vielmehr, ein Schwein sein Leben lang unter qualvollen Bedingungen zu halten.
CONTRA (Tanja Wiemann)
Ich kann das Essen von Tieren definitiv nicht mit meinem Gewissen vereinbaren und meiner Meinung nach sollte sich das Gewissen nicht nur am eigenen Empfinden orientieren, sondern am Gemeinwohl ausrichten. Es ist eben nicht in Ordnung, wenn jeder tun und lassen kann, worauf er gerade Lust hat. Genauso wenig, wie es eine private Entscheidung sein kann, ob man jemanden tötet oder Schmerzen zufügt.
Natürlich ist Freilandhaltung von Tieren besser als in Massentierhaltung. Dennoch: Auch diesen Tieren steht der frühzeitige Tod bevor. Und hier wären wir bei dem oben genannten Gemeinwohl. Denn beziehen wir Tiere mit ein, dürfte klar sein, dass es ihnen nicht egal ist, ob sie geschlachtet werden oder leben dürfen. Hätten sie die Wahl, würden sie sich unweigerlich für das Leben entscheiden, denn jedes Lebewesen – wie der Begriff schon sagt – möchte leben und tut alles in seiner Macht stehende für die Lebenserhaltung.
Alle Tiere, die letztlich zu Fleisch verarbeitet werden – unabhängig davon, ob sie ein grauenvolles Leben in der Massentierhaltung erleiden müssen, oder sich auf der Weide frei bewegen dürfen – sind nur aus einem einzigen Grund auf der Welt: Um getötet zu werden! Schon bei ihrer Geburt steht fest, auch wenn es den Tieren selbst nicht bewusst ist, dass sie nach wenigen Wochen geschlachtet werden. Hinzu kommt, dass der Akt des Tötens immer mit Gewalt einhergeht. Kein Tier geht freiwillig ins Schlachthaus.
In der Fleischproduktion geht es eben nicht um das Leben eines jeden Tieres, sondern allein um dessen Tod. Schon allein das Wort “Fleischproduktion” gefällt mir nicht, denn es handelt sich hierbei nicht um Baumwolle oder Holz, sondern um Lebewesen, die leben möchten. Und das ist für mich der Grund, weswegen ein gewissenhafter Fleischkonsum nicht möglich ist.
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Was meint ihr?