Dein Freund – Blog
Die erste TierBeschützerorganisation der Welt

Nach einem ausgiebigen Frühstück war unsere Reise nun auch fast wieder vorbei. Ich habe am Westbahnhof noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft und dann mussten wir uns auch schon wieder auch den Weg zum Flughafen machen. Bei einem Bäcker habe ich mich noch mit leckeren Semmeln eingedeckt und dann mussten wir auch schon Servus Wien sagen.

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Fazit: Wien ist eine wunderschöne Stadt, in der man als Veganer sehr gut speisen kann. Wenn auch leider nicht in den berühmten Cafehäusern, aber die kann man sich eh nicht leisten.
Die Zeit war viel zu kurz um sich alle Sehenswürdigkeiten anzusehen.
Der Wiener an sich ist ein sehr freundlicher, hilfsbereiter Mensch. Die Leute haben uns einfach angesprochen, wenn sie Gespräche zwischen mir und meiner Mutter gehört haben, um uns den Weg zu erklären.
In den Supermärkten gibt es eine große Auswahl an Sojadrinks, Pudding, Schoki etc.
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich eine Wiencard zu kaufen, mit dieser kann man dann je nach Preisstufe Bahn fahren und auch die vielen Museen der Stadt besuchen.
Auch meine Mama fand Wien toll und wir würden beide nochmal hinfahren.

Und wer mit seinem Hund nach Wien reist sollte unbedingt an den Beißkorb (Maulkorb) und das Sackerl für das Gackerl denken.

Bei einem nächsten Wien Besuch würde ich mir noch gerne das Belvedere, das Schloss Schönbrunn und das jüdische Museum angucken. Und ich würde im Sommer fahren, um an der Donau zu sitzen und draußen zu speisen und Eis zu essen.

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3 Tage Wien geschrieben von Daniela

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Ich habe im Hotel nicht extra angemeldet, dass ich vegan lebe, weil ich eigentlich zum Frühstück immer etwas zum Essen finde.
Es gab ein reichhaltiges Frühstück und auch für mich war genug dabei. Ich habe Semmeln und Brot mi Marmelade gegessen, Gemüse und Obst sowie Müsli, Nüsse und Trockenobst mit O- Saft.

An diesem Tag sind wir in die Leopoldtstadt und die Landstraße gefahren, um den Prater mit seinem bekannten Riesenrad zu besichtigen. Der Prater ist eine fast 15 km lange Wald- und Wiesenlandschaft, die bei schönem Wetter zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt. Leider hatten wir an diesem Tag kein schönes Wetter und haben uns somit dazu entschlossen eine kleine Fahrt durch den Vergnügungspark zu machen. Wer Jahrmärkte und Kirmes mag, wird hier bei gutem Wetter wahrscheinlich seine Freude haben. Da ich aber mal so gar kein Fan von Kirmes bin, war es für mich eine große Enttäuschung und ich müsste dort nicht nochmal hin.

Wir haben uns dann entschieden ein bisschen mit der Bahn zu fahren und uns die Donau anzusehen. Auch dort ist es im Frühjahr und Sommer wahrscheinlich sehr schön, bei unserem eher kalten Wetter war es halt ein Fluss wie jeder andere auch und wir sind dann an der Donau entlang zur nächsten Straßenbahn gelaufen, um zum Hundertwasserhaus zu fahren. Das Hundertwasserhaus ist sehenswert und es gibt drum herum viele nette Touristenlädchen in denen man Sachen von Hundertwasser und andere Kleinigkeiten kaufen kann.

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Abends sind wir dann ins Restaurant Landia gegangen. Auch dieses vegetarische Restaurant war nicht allzu weit von unserem Hotel entfernt (U3 bis Neubaugasse). Es liegt in einem netten Viertel mit schönen Einkaufsmöglichkeiten wie Yoga Shops und kleinen Gassen mit esoterischen Lädchen und vegetarischen Cafés.
Das Restaurant liegt etwas versteckt, wir haben uns in einem Hotel den Weg erklären lassen.
Es gibt eine feste Speisekarte und jeden Tag abwechselnd andere Menüs. Alle Speisen sind vegan und glutenfrei möglich.
Ich hatte als Vorspeise die leckersten Samosas, die ich je gegessen habe. Meine Mutter hatte eine sehr leckere Tagessuppe.
Als Hauptspeise hatte ich Sellerieschnitzel mit Petersilienkartoffeln und einer leckeren Soße. Die Kartoffeln waren etwas trocken aber das Schnitzel war lecker. Meine Mutter hatte eine köstliche Gemüsenudelpfanne.
Fazit: nette Atmosphäre, sehr nette Bedienung, leckere Speisen und faire Preise. Auch meiner Mutter hat es gut geschmeckt und sie fand die Bedienung total nett, weil er ihr Sachen empfohlen hat. Allerdings fand sie es nicht so gut, dass die Vorspeise und das Hauptgericht so schnell hintereinander gereicht wurden.
Punkte: 2

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3 Tage Wien geschrieben von Daniela

Am Gründonnerstag habe ich mich gemeinsam mit meiner Mama auf den Weg in die wunderschöne Stadt Wien gemacht. Meine Mama hat mir diese Reise zu meinem 30zigsten Geburtstag geschenkt und es ist nun schon unsere dritte gemeinsame Städtereise (zuvor Brüssel und Berlin). Meine Mutter ist keine Veganerin oder Vegetarierin, isst aber sehr gerne Gemüse und kann gut auf Fleisch verzichten. Sie hat sogar Spaß daran mit mir vegane Restaurants zu testen. (Mein Punktesystem für die Restaurantbewertung: 3 Punkte= nichts wie hin, 2 Punkte= kann man machen, 1 Punkt= lieber nicht)

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Als wir im Flieger saßen war ich recht aufgeregt, da ich das letzte Mal vor 10 Jahren nach England geflogen bin und ich dieses Ding, von oben auf alles herabzublicken, zwar cool finde, aber auch etwas angsteinflößend. Vom Flughafen in Wien fährt ein extra Flughafenbus zum Westbahnhof. Als Tipp, kauft am Besten direkt ein Ticket für die Hin- und Rückfahrt, dann spart ihr 5 Euro.
Unser Hotel lag sehr zentral in der Nähe vom Westbahnhof. Dort fahren U- Bahnen und Züge und es gibt eine Menge Einkaufsmöglichkeiten, die bis 21.00 Uhr geöffnet haben.

Nachdem wir eingecheckt hatten und freundlich empfangen wurden haben wir uns direkt auf den Weg in die Wiener Innenstadt begeben. Wir haben den schönen Stephansdom besichtigt, waren in der Stadt, die sich um den Dom erstreckt bummeln und haben uns noch mehr Sehenswürdigkeiten wie die Spanische Hofreitschule, die Albertina, die Staatsoper, die Universität, die Bibliothek und den Burggarten mit seinem Palmenhaus und Schmetterlingsgarten bewundert. All diese Sehenswürdigkeiten liegen Nah beieinander in der Inneren Stadt. Wien besticht mit seinem ganz eigenen Charme, mit seinen wunderschönen alten Häusern und kleinen Gassen und ganz besonders mit seinen sehr hilfsbereiten und zuvorkommenden Menschen.
Nach dem ganzen Laufen und Staunen haben wir uns in der Fußgängerzone bei Zanoni ein leckeres Eis gegönnt. Die Eisdiele liegt sehr zentral und es gibt leckeres veganes Fruchteis und Eis aus Reismilchschokolade. Das vegane Eis steht extra ausgeschrieben auf der Karte, so dass man gar nicht fragen braucht. Das Eis war sehr köstlich und ich kann diese Eisdiele nur empfehlen.
Fazit: Ich würde dieser Eisdiele 3 Punkte geben, weil sie veganes Eis anbietet, weil das Eis super lecker ist und ich Eis liebe!

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Da wir an diesem Nachmittag noch Zeit hatten und das Wetter schön war haben wir uns noch auf den Weg zum Zentralfriedhof gemacht. Dieser Friedhof ist sehr groß, über 3 Mio. Menschen haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. Man kann dort wunderbar spazieren gehen und durchatmen.
Am Abend war die große Frage, wo wir denn nun Essen gehen. Wir hatten schon vorab einige vegane Restaurants im Internet rausgesucht und uns an diesem Abend für das Loving Hut im Neubaugürtel entschieden, weil es ganz in der Nähe unseres Hotels lag. Unsere sehr freundliche und hilfsbereite Rezeptionistin hat uns den Weg dorthin erklärt und wir konnten dort vom Hotel aus zu Fuß hinlaufen.
Das Loving Hut ist ein kleines, gemütliches Restaurant, mit ausschließlich veganem Essen. Neben dem Restaurant gibt es noch einen kleinen Laden mit veganen Lebensmitteln, der aber leider schon zu hatte.
Wir haben als Vorspeise sehr leckeren Blumenkohl Pakora gegessen.
Als Hauptspeise hatte meine Mutter Curry des Guru mit Karotten, Kokosmilch, Kürbis, veganem Huhn und Reis und ich hatte den Döner Teller mit Seitan, Kartoffeln, Kohl, Gemüse und Reis. Uns hat es beiden vorzüglich geschmeckt. Der Döner Teller war nicht so Fast Food Mäßig, sondern eher gesund mit ganz viel Gemüse, was mir gut gefallen hat. Als Dessert habe ich noch einen super leckeren Smoothie getrunken.
Fazit: Tolles Essen, sehr nette Bedienung, tolle Atmosphäre, bezahlbare Preise. Ich würde sofort wieder hingehen. Auch meiner Mutter hat es sehr gut geschmeckt und man kann gut mit seinen Eltern dort Essen gehen. Es ist aber kein schickes Restaurant.
Ich gebe dem Restaurant 3 Punkte.

3 Tage Wien geschrieben von Daniela
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Kim Baxter Still

Auch wenn Kim Baxter noch nicht vielen Menschen ein Begriff ist, so genießt ihre Band doch einen gewissen Status im Indierock-Underground – und das mit nur drei Alben in gut zehn Jahren. Der zuckersüße, melodische Indie-Pop der Band aus Portland, Oregon, die passend „All Girl Summer Fun Band“ getauft wurde, wird stark von Kims Stimme geprägt. Zudem bildet Kim die Band gemeinsam mit Jen Sbragia von The Softies, die für ihren melancholisch-melodischen Indie-Sound ebenfalls einen guten Ruf genießen, und Kathy Foster von The Thermals, einer Indie-Band, die inzwischen auch einer breiteren Masse bekannt ist.
Nachdem es zuletzt ruhig geworden ist um die „All Girl Summer Fun Band“ trat Kim unerwartet als Solokünstlerin auf den Plan. Kim lebt noch immer in Portland, Oregon und hat ihr Album „The Tale Of Me And You“ schon im April 2012 selbst veröffentlicht. Das Album entfernt sich teils stark vom Sound der „All Girl Summer Fun Band“ und orientiert sich stärker an krachiger zu Werke gehenden Bands wie The Breeders. Auch wunderschöne, eher melanscholische Songs finden sich auf dem absolut gelungenem Indie-Pop-Album. Fast ein Jahr später, im März 2013, veröffentlicht das deutsche Label Expect Candy es nun als Vinyl-LP, und im April steht eine Europatournee an. Grund genug für DeinFreund zum Hörer zu greifen und mit Kim zu sprechen.
Gemeinsam mit ihrem Mann Chris, der auch bereits in Bands wie Life At These Speeds gespielt hat, hat sie das Album selbst eingespielt: „Als wir die Aufnahmen beendet hatten, entschieden wir das Album über Bandcamp (Anm.: eine Plattform, über die Künstler ihre Aufnahmen selbst direkt als digitalen Download verkaufen können) zu veröffentlichen. Da es mein Traum war wieder in Europa zu touren habe ich meinen Freund Niels kontaktiert, der 2004 bereits eine Tour für die „All Girl Summer Fun Band“ gebucht hat, und hoffte, dass er interessiert sein würde eine Tour für mich zu buchen, auch wenn es ein komplett neues Projekt war.“
Wie so oft im Leben ergab sich aus der vorsichtigen Anfrage schnell deutlich mehr: „Zu meiner großen Erleichterung war er immer noch sehr an meiner Musik interessiert und wollte eine Tour für uns buchen. In der Zwischenzeit hatte er zusammen mit seiner Freundin Mira ein Label gegründet und die Beiden wollten unser Album als Vinyl-LP veröffentlichen. Es war perfekt, alles passte zusammen und ich bin sehr glücklich darüber.“
In der Folge sprechen wir über verschiedene Dinge, bis das Gespräch, geleitet von Kims Interesse zu erfahren, was genau „DeinFreund“ eigentlich ist, auf das Thema Ernährung kommt. Auch für Kim ist dies ein wichtiges Thema: „Ich habe aufgehört rotes Fleisch zu essen als ich 14 war. Es war meine eigene Entscheidung. Später, als ich 18 war, ass ich gar kein Fleisch mehr. Es fühlte sich für mich richtig an, nach der besten Entscheidung für mich. Niemand in meiner Familie oder meinem Umfeld war Vegetarier, und da, wo ich aufwuchs, in Albuquerque, New Mexico, war es sehr ungewöhnlich kein Fleisch zu essen.“
Wenig später, nachdem sie eine Vegetarierin geworden war, ging sie noch einen Schritt weiter und lebte für sieben Jahre vegan. Sie erzählt, dass ihr Veganismus völlig unbekannt war, bis sie die High School abschloss. Ihr Umzug nach Portland, Oregon brachte viele neue Bekanntschaften und Freundschaften mit sich, und von diesen neuen Menschen in ihrem Leben lebten einige vegan. „In Portland ist es überhaupt nicht außergewöhnlich Vegetarier oder Veganer zu sein, es ist völlig normal. Für mich war das anfangs ein kleiner Schock, bis dahin hatte ich mich immer gefühlt, als wenn ich meine Entscheidung, kein Fleisch zu essen, verteidigen müsste. Fast jedes Restaurant hier in Portland hat großartige vegetarische Optionen und in jedem Supermarkt gibt es eine große Auswahl an speziellen Produkten für Vegetarier. Wir sind hier echt verwöhnt.“
Inzwischen ist Kim Mutter eines dreijährigen Sohnes. Ihr und ihrem Mann Chris ist es wichtig ihm zu zeigen, wie wichtig es ist, anderen Menschen und Tieren mit Respekt zu begegnen. Ob er Fleisch isst oder nicht wird später seine eigene Entscheidung sein, bisher ist sein Interesse daran aber nicht sonderlich ausgeprägt, wie Kim berichtet.
Generell ist Kim sehr glücklich, dass sie weiter Musik machen kann, einen Job hat, der ihr genug Zeit für Familie und Musik lässt und im April ihr Traum wahr wird, wieder nach Europa zu fliegen, um eine Tour zu spielen: „Die ‚All Girl Summer Fun Band‘-Tour war einfach wunderbar! Ich habe die Zeit absolut genossen. Wir haben so viele Städte gesehen und ich freue mich schon sehr wieder in der Vera in Groningen zu spielen, wo wir damals einen tollen Abend gehabt haben. Aber ich freue mich natürlich auch sehr auf all die neuen Clubs und Städte, die wir sehen werden. Da mein Sohn mit auf Tour kommt wird es dieses Mal sicherlich etwas anders, aber ich kanns kaum erwarten.“
Wir freuen uns auch!

Kim Baxter auf Tour:
11.04.13 Hamburg, Hafenklang
12.
04.13 Offenbach, Hafen 2
13.04.13 Leipzig, Ilses Erika
14.04.13 A-Wien, Rhiz
15.04.13 A-Graz, Explosiv
16.04.13 CZ-Prag, Chapeau Rouge
17.04.13 Würzburg, Kellerperle
18.04.13 Trier, Exhaus
19.04.13 Bielefeld, AJZ
20.04.13 NL-Groningen, Vera (Downstage)

Kim Baxters Album „The Tale Of Me And You“ (Exepct Candy/Cargo) ist am 15. März erschienen. Eine Hörprobe findet ihr hier & ein echt cooles Video von Kim findet ihr hier.
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Ich war letztens bei meinen Eltern zu Besuch, was nicht mehr so häufig vorkommt, seitdem mich mein Studium auf die andere Seite von Deutschland verschlagen hat. Und da fragte mich meine Mutter unvermittelt, ob dieses Kaninchen, das meine Eltern vor zwei Jahren gekauft hatten, um es uns als Weihnachtsbraten vorzusetzen, noch immer bei mir wohnen würde? Und ich immer noch der Auffassung wäre, dieses Kaninchen sei mein Freund? Ich antwortete rhetorisch: „Klar ist es mein Freund. Was soll es denn sonst sein?“ Und dann stand ich im Flur meines Elternhauses und habe über die Frage meiner Mutter nachgedacht. Ich dachte daran, dass meine Mutter mittlerweile über sechzig ist und damit einer anderen Generation angehört. Plötzlich dachte ich, meine Generation ist wie eine Sanduhr, bei der sich kontinuierlich der Rieselwiderstand erweitert, während der meiner Eltern von Jahr zu Jahr kleiner wird; dass unsere Kultur große Schritte macht und die älteren Menschen gar nicht mehr hinterherkommen. Dann dachte ich darüber nach, wie die Welt 2020 wohl aussehen wird?

Beim Abendessen, als ich nachdenklich in meinem Gemüse herumstocherte, fragte mich meine Mutter, als würde sie an die Frage vom Nachmittag anknüpfen, ob ich nicht einsehen könnte, dass Fleisch schon immer gegessen und ein Weihnachtsbraten zur menschlichen Tradition gehören würde? Ich saß auf meinem Stuhl, hielt meine Gabel in der Hand und dachte, dass was einer besseren Welt im Weg steht, sind veraltete Traditionen. Dann sagte ich meiner Mutter ohne Umschweife, dass ich auf ihre Traditionen gerne verzichten könnte. Dass der Supermarkt voll von Obst und Gemüse und was weiß ich sonst noch wäre und es kulturell nicht mehr zeitgemäß ist, jemandem einem Pfeil in den Kopf zu jagen.  Meine Mutter schwieg und mein Vater meinte, „solang du deine Füße unter meinem Tisch …,“ brach dann aber ab, weil er sich selber blöd dabei vorkam. Ich dachte an dieses Sprichwort, wie man in den Wald ruft, so schalt es auch wieder raus, dass sich Frieden nur mit Frieden erzeugen lässt und dass so lange wir Kühen den Kopf einschlagen, auch untereinander nicht voran kommen werden. Dabei kam mir abermals die Frage in den Kopf, wie die Welt im Jahr 2020 aussehen wird? Ich dachte, es kann doch nicht sein, dass wir uns dann immer noch von Blut ernähren. Ich sagte: „Wie man in den Wald ruft“, und noch andere Sachen und dass, wenn wir in einer friedlichen Welt leben wollten, nicht daran vorbei kämen, Tiere als Freunde zu betrachten. Meine Eltern sahen mich mit großen Augen an, und während ich meine Eltern betrachtete, spürte ich, wie sich der Rieselwiderstand in mir wieder um ein Stück erweitert hatte. Dabei wurde mir klar, dass unsere Generation es in den Händen hält, wie unsere Zukunft aussehen wird.

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Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer

Es war bereits nach Mitternacht. Ich lag in meinem Bett und las im Fänger im Roggen, als das Fenster aufsprang und wie aus dem Nichts ein Außerirdischer bei mir im Zimmer stand. Er trug keinerlei Kleider, war ca. 80 cm groß und um den Bauch fast genauso breit. Sein Körper hatte die Form eines flauschigen Luftkissens, das an den Enden wie ein Bonbon zusammen geknotet war. Er war vollständig mit kleinen, weißen Engelslöckchen behaart, die vom einströmenden Nachtwind lustig auf und ab schwangen. Sein Gesicht war kreisrund und er hatte große Augen, mit denen er mich niedlich wie eine Prinzessin anblickte. Um seine Nase gab es eine Vielzahl von Sommersprossen und an den Seiten seines Kopfes baumelten zwei lange Schlappohren herunter. Dieser Außerirdische erinnerte mich an eine Mischung aus dem Sams und Dumbo. Als kleiner Junge hätte ich mir wahrscheinlich genau so ein Kuscheltier gewünscht, doch als er jetzt so vor mir stand, fühlte ich, wie sich mir vor Erstaunen und Furcht meine Haare aufstellten. Er sah mich weiterhin aus seinen großen Kulleraugen ruhig an und nachdem ich meine Furcht überwunden hatte, sagte ich: „Hallo“.
Er antwortete: „Was tust Du?“ Seine Stimme quietschte wie ein altes Türscharnier.
„Lesen, ich weiß nicht ob du…?“
„Klar kann ich lesen, mache ich auch öfter.“
„Ach ja?“
„Was liest du denn?“
„Der Fänger im Rogen.“
„Von Salinger!“
„Stimmt.“
Der Außerirdische lächelte und sagte: „Ist auch eines meiner Lieblingsbücher.“
„Sag mal, du kommst nicht von hier, oder?“
„Das ist etwas komplizierter und ich bin schon recht müde. Also, lass uns darüber ein anderes Mal sprechen.“
Was für ein anderes Mal, dachte ich, während sich der Außerirdische in meinem Zimmer umsah, in dem nicht viel mehr als mein Bett, ein Regal mit Büchern und Klüngel, ein Kleiderschrank und eine Stehlampe stand. Als der Außerirdische mein Zimmer zu Ende inspiziert hatte, trottete er langsam auf mich zu, um sich zu mir aufs Bett zu setzen. Trotz seines unförmigen Körpers, waren seine Bewegungen elegant und geschickt. Er ließ sich neben mich auf die Matratze plumpsen und von dem daraus resultierenden Rückschwung belustigt, begann er mit angezogenen Beinen auf und nieder zu wippen, dass ich mich fühlte wie bei einer Schiffsfahrt mit starkem Wellengang. Wenn ich nicht vorhatte ernsthaft seekrank zu werden, musste ich dieser unfreiwilligen Fahrt ein Ende bereiten.
„Stopp!“ rief ich.
„Ganz bequem dein Bett,“ entgegnete mir der Außerirdische seelenruhig. „Hast du was dagegen wenn ich heute hier bleibe?“
Ich überlegte kurz. „Tja, ich bin nicht auf Besuch vorbereitet, aber wenn dir das Sofa im Wohnzimmer ausreicht?“
Er sah mich enttäuscht an und sagte: „Dein Bett würde mir besser gefallen und ich habe auch nichts dagegen, mit dir zusammen drin zu schlafen.“
Ich sah auf mein 1 m breites Bett und dann auf die 80 cm breite Taile des Außerirdischen, der mich aus erwartungsvollen Augen anblickte.
Schließlich sagte ich: „OK, aber die Füße solltest Du dir vorher schon waschen.“
Ohne ein weiteres Wort stand er auf und ohne dass ich ihm den Weg hätte erklären brauchen, ging er aus meinem Zimmer, durch denn Flur ins Badezimmer. Ich konnte sehen wie das Licht im Bad anging, hörte wie das Wasser erst angestellt, dann wieder abgestellt wurde und sah, wie das Licht vom Bad erlosch. Als ich mein Buch zur Seite legte und die Nachtischlampe ausschaltete, lag der Außerirdische bereits neben mir und kuschelte sich mit seinen flauschigen Engelslocken an meine Seite.
„Ich hoffe der Körperkontakt macht dir nicht aus, ich kann sonst einfach nicht einschlafen?“
Ich seufzte.
Dann sagte er mit müder Stimme: „Ach ja, ich heiße Paul.“
„Und ich bin Thomas.“
Und während ich dies sagte, konnte ich schon sein ruhiges Atmen hören. Er war eingeschlafen.

Fortsetzung folgt 1/5
Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer

Am nächsten Morgen erwachte ich mit einem wohligen Gefühl. Ich fühlte mich als hätte ich eine ganze Woche geschlafen, frisch und leicht wie ein von Wind getragenes Blatt. Vor meinen Augen spiegelte sich noch der Traum der vergangenen Nacht. In dem ich allein durch den Stadtparks gelaufen war. Es war kalt und die Bäume waren kahl. Matschiger Schnee lag zusammen geschoben an den Rändern der Wege und die gelbe Lichtbündel der Sonne prallten unsanft von dem weiß gefrorenen Boden ab. Ich lief bis ich an einen Parkteich anlangte, auf dem eine Ente saß. Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass das Wasser zu Eis gefroren war und die Ente mit ihren Füßen fest steckte. Ich überlegte was zu tun sei und entschloss mich, die Ente aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Ich kletterte vorsichtig auf die dünne Eisschicht. Doch bereits nach wenigen Schritten begann das Eis unter mir nachzugeben und ich brach ein. Das Wasser war kalt und schmerzte auf meiner Haut, als wäre ich in scharfkantiges Glas gefallen. Glücklicherweise war das Wasser nicht tief und ich zog mich zurück ans Land. Am Ufer dachte ich schlotternd darüber nach, was aus der Ente würde, wenn ich sie nicht befreite. Ich biss die Zähne zusammen und kämpfte mich in einem zweiten Versuch durch das Eiswasser zu der Ente vor. Mir stockte der Atem vor Kälte. Ich klopfte so lange mit meiner Faust auf die Eisfläche, bis dieses brach und die Ente frei gab. Ich hob sie aus dem kalten Wasser und wickelte sie behutsam in meine Jacke. Sie schmiegte sich sofort dankbar an meinen Körper und ich konnte fühlen wie ihr Herzschlag sich langsam beruhigte. Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und meine Jacke behutsam öffnete, um die Ente auf Verletzungen zu untersuchen, saß statt ihrer ein mit Engelslocken behaarter Außerirdischer in meinem Arm, der mich mit großen Augen ansah. Er fragte mich, ob er heute Nacht bei mir bleiben könnte, er sei müde und wisse nicht, wo er die Nacht verbringen könnte. Noch verwundert über den plötzlichen Wechsel willigte ich ein und nahm den Außerirdischen mit zu mir nach Hause. Von der Unterkühlung des Eiswassers zitterte mein Körper noch bis tief in die Nacht hinein. Ich spürte wie der Außerirdische versuchte mich zu wärmen, in dem er sich wie eine flauschige Wärmflasche an mich drückte, bis sich schließlich die Kälte in mir auflöste und nur noch ein wohliges Gefühl zurückblieb, mit dem ich erwachte.

Fortsetzung folgt 2/5
Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer

Verrückter Traum, dachte ich, während ich mich räkelnd auf die andere Seite drehte, auf der mir der Außerirdische aus meinem Traum lustig in die Augen blinzelte. Ich machte vor Schrecken fast einen akrobatischen Satz auf die Bettkante. Denn damit, dass mein Traum Wirklichkeit sein sollte, hatte ich nicht gerechnet.
Der Außerirdische fragte belustigt: „Hast du gut geschlafen?“
Ich konnte es nicht bestreiten und sagte noch immer verwirrt: „Ja und selber?“
„Ich auch. Wie wäre es jetzt mit Frühstück? Ich bin schon einige Zeit wach und habe riesigen Kohldampf.“
Ich nickte. Wir standen auf und langsam kehrte meine Erinnerung des gestrigen Tages zurück. Als ich mir meinen Morgenmantel überzog, sah ich in Gedanken das Fenster in meinem Zimmer aufspringen, sah wie der Außerirdischen herein trat, sich mit mir unterhielt, ich im Bett liegend das Licht ausschaltete und wir einander Gute Nacht wünschten.
„Paul,“ sagte ich automatisch.
„Du scheinst morgens etwas länger zu brauchen.“
„Scheint so, aber nach dem ersten Kaffee bin ich voll da – hoffe ich zumindest.“

Ich stapfte mit dem Außerirdischen in die Küche und räumte Brot, Wurst, Margarine und Marmelade aus dem Kühlschrank. Danach stellte ich die Kaffeemaschine an und wischte über den Tisch. Als ich mich setzen wolle bemerkte ich, dass mir Paul mit einem erstaunten Blick bei den Frühstücksvorbereitungen zusah.
„Was machst du da?“
„Frühstück?! Nach was sieht es denn aus?“
„Aber doch nicht so.“
„Dann sag mir einfach, wie du gerne frühstücken würdest?“
Er kratzte sich mit seinen kleinen Fingern am rechten Ohr. Dann sagte er: „Erinnerst Du dich noch an Deinen Traum von heute Nacht?“
„Ja, ich war, wenn mich nicht alles täuscht im Stadtpark. Wieso?“
„Und weiter?“
„Wie und weiter? Ich habe eine Ente gerettet die im Eis fest gefroren war und auf einmal warst du statt der Ente in meiner Jacke. Was hast du da eigentlich gemacht?“
Er sah mich eine Weile nachdenklich an und sagte schließlich: “OK, probieren wir es Mal anders. Sieh jetzt bitte einmal zur Wand.“

Ich tat ihm den Gefallen und drehte mich zur Wand. Doch konnte ich nichts Ungewöhnliches dort erkennen. Ich suchte die Wand ab, doch dort war nichts zu entdecken und ich drehte mich zurück. Überraschenderweise saß jetzt auf dem Stuhl gegenüber, wo zuvor der Außerirdische gesessen hatte, die Ente aus meinem Traum. Als sie mich erkannte sprang sie flugs von dem Stuhl auf den Tisch und watschelte zu mir herüber. Sie quakte mich erfreut an und machte einen Satz zu mir auf den Arm. Danach öffnete sie geschickt mit ihrem Schnabel meinen Morgenmantel und wickelte sich in ihm ein, bis ich sie nur noch in der Ausbeulung des Stoffs erkennbar war. An meiner nackten Haut spürte ich, wie sie sich dankbar an meinen warmen Körper schmiegte. Ihr Herz pochte anfangs noch aufgeregt, wurde aber mit der Zeit langsam ruhiger. Ich bemühte mich meinen Arm so zu halten, dass sie in meiner Beuge Halt fand. Ich wartete geduldig ab was als nächstes passieren würde, dabei wanderte mein Blick über den Frühstückstisch. Während ich unbeteiligt meine Frühstücksutensilien betrachtete, überkam mich, ohne zu begreifen wieso, ein kurzer Angstschauer. Automatisch blickte ich auf den ausgebeulten Stoff meines Morgenmantels und von der plötzlichen Angst angetrieben, versuchte ich die Ente aus meinem Mantel auszuwickeln. Doch die Ente war verschwunden. Schlagartig fühlte ich eine bedrückende Traurigkeit. Aber irgendetwas stimmte hierbei nicht. Wie sonderbar alles war, dachte ich, der Außerirdische, die Ente, mein Traum und diese schwankenden Gefühle. Ich konnte mir keinen Reim daraus machen, wie diese ganzen Dinge zusammen hingen. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr veränderte sich meine Traurigkeit hin zu einem unbeholfenen Schuldgefühl, das tief in mir verborgen zu liegen schien und durch mein Nachgrübeln wie ein Ballon in mir aufzusteigen begann. Ich kniff mir in den Arm, um auf Nummer sicher zu gehen, dass ich auch nicht träumte. Aber es war alles echt.

Fortsetzung folgt 3/5
Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer

Als ich aus meinen Gedanken wieder aufblickte, saß der Außerirdische auf seinem alten Platz. Er saß mir auf dem Stuhl gegenüber und blickte mich mit interessierten Augen an.
„Paul? Ich verstehe das alles nicht. Ich dachte du wärst weg.“
„Keine Sorge, ich habe ja noch nicht gefrühstückt, da haue ich nicht einfach ab.“
„Aber was soll das Ganze?“
„Ich wollte dich nur darauf aufmerksam machen, dass Du ein Mensch mit Gefühlen bist.“
„Auf meine Gefühle wolltest du mich aufmerksam machen?“
„Jupps.“
„Und wozu das Ganze?“
Der Außerirdische setzte sich in eine bequeme Pose, um mir mit listiger Miene mitzuteilen: „Ganz einfach, ich bin dein Gewissen.“
„Verstehe ich nicht?“
„Habe etwas Geduld. Zuerst wollen wir jetzt Frühstücken.“
Er zog sich die Erdbeermarmelade heran und löffelte genüsslich mit seinem Löffel darin rum. Dann sagte er: „Schmeckt ausgezeichnet, möchtest Du auch etwas?“
Ich antwortete etwas zerstreut: „Warum eigentlich nicht.“
Er nahm seinen Löffel aus der Marmelade und machte mir ein Häufchen auf meinen Teller, dabei kleckste ein kleiner Fleck auf die Wurst, die mittig auf dem Tisch lag. Meine Augen folgten automatisch der vom Löffel herunter rinnenen Marmelade, die tief rot auf der Salami zerlief. Gleichzeitig überkam mich abermals das Gefühl von Traurigkeit.
“Machst du das extra? Ich weiß nicht, was du vorhast, aber du könntest mir bitte erklären was du damit meinst, dass du mein Gewissen bist.“
Der Außerirdische fragte kauend: „Du weißt nicht, was ein Gewissen ist?“
„Ich weiß was ein Gewissen ist! Ich weiß aber nicht, was es heißt, dass du mein Gewissen sein sollst.“
„Das liegt nur daran, weil ihr Menschen euch so schlecht Dinge vorstellen könnt. Stell dir vor, ich würde einfach als innere Stimme zu dir sprechen, dann wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du mich nicht ernst nimmst. Deswegen sitze ich jetzt hier.“
„Und was machst du hier? Ich meine, was ist deine Aufgabe?“
„Grundsätzlich bin ich dafür da, dein Handeln zu bewerten und es war an der Zeit mich dir persönlich vorzustellen.“
„OK und was habe ich angestellt?“
„Du trampelst auf der Stelle.“
„Ich trample auf der Stelle?“
„Genau.“
„Und warum fühle ich mich traurig?“
Paul machte eine Pause und sagte dann: „Sag mir warum Du heute Nacht die Ente gerettet hast?“
„Na weil sie sonst erfroren wäre.“
„Gut und wie hat es sich angefühlt?“
„Keine Ahnung, wie soll sich sowas schon anfühlen?“
„Hier haben wir schon den ersten Grund, warum du auf der Stelle trittst, du machst dir deine Gefühle einfach nicht bewusst.“
„Verstehe ich nicht.“
„Dann beschreibe mir jetzt einmal genauer, wie es war und was du dabei gefühlt hast, als du die Ente gerettet hast.“
„Ja also, ich bin ins Wasser, das war ganz schön kalt und dann habe ich die Ente in meine Jacke gewickelt und bin wieder raus aus dem Wasser.“
„Genauer!“
„Als ich die Ente in meine Jacke genommen habe, konnte ich fühlen, wie ihr Herz aufgeregt schlug. Sie war aufgeregt und erschöpft.“
„Schon besser und wie hast du heute Nacht geschlafen?“
„Gut, das habe ich dir heute Morgen doch schon gesagt.“
„Du bist wirklich nicht einfach. Du sollst mir natürlich sagen, warum du gut geschlafen hast?“
„Weil du mich gewärmt hast. Ich habe gefroren, weil ich ins Eiswasser gefallen bin und du hast mich gewärmt, solange bis mir nicht mehr kalt war.“
„Du meinst, dein Gewissen hat dich gewärmt?“
Ich dachte darüber nach, während er mit seinem Löffel wieder angefangen hatte in der Marmelade herum zu stochern. Schließlich fragte ich ihn: „Aber bist du nicht auch die Ente gewesen?“
„Ich kann in vielen Gestalten auftreten, aber letztendlich bin ich nur das, was du in mir siehst.“
Noch einmal versank ich in meinen Gedanken, bis ich schließlich sagte: „OK, dass habe ich jetzt verstanden, aber wieso diese Traurigkeit?“
„Das ist der zweite Grund, warum du auf der Stelle trittst, es gibt einen Widerspruch zwischen dem, was du fühlst und dem, wie du dich verhältst.“

Fortsetzung folgt 4/5
Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer

Es ist komisch, dachte ich, dass ich hier mit einem Außerirdischen sitze, der behauptet mein Gewissen zu sein und ich mich mit ihm über meine Ängste unterhalte. Dabei blicke ich auf die Wurst, die von der Marmelade in dunkles Rot gefärbt wurde.
„Meinst du, es ist komisch, dass ich mich einerseits um die Ente sorge und anderseits Tiere töten lasse, um sie als Wurst zu essen?“
„Nicht ich meine das, ich bin nur Dein Gewissen. Wenn, meinst du das!“
„Vielleicht hast du ja Recht,“ sagte ich in meine Gedanken vertieft.
Und wie ich dies aussprach, merkte ich, wie der Ballon mit der Traurigkeit in mir platzte und sich stattdessen das wohlige Gefühl des Morgens in mir ausbreitete.
Überrascht sah ich Paul an, der gerade den Löffel mit Marmelade in seinen Mund steckte und sich über die Lippen leckte.
„Danke für das Frühstück. Ich glaube, ich bin satt.“
„Und jetzt?“
„Ich werde nun wieder gehen. Ich glaube, du kommst ab jetzt allein zu recht.“
„Ja, glaubst du wirklich?“
„Du bist auf dem richtigen Weg, alles andere liegt bei dir.“
Ich will aufstehen, um Paul zu verabschieden.
„Mach dir keine Umstände, ich kenne den Weg.“
„Dank dir und komm mal wieder vorbei.“
„Nicht der Rede wert, habe ich doch gerne gemacht.“

Dann stand er auf und ging. In der Tür drehte sich Paul nochmals zu mir um und sah mich mit seinen Kulleraugen an. Er hob seinen wuscheligen Arm, winkte und verschwand hinter der Türecke. Ich hörte, wie er die Tür in meinem Schlafzimmer öffnete und das Fenster in meinem Zimmer aufgestoßen wurde, danach war ein Knacken oder Zischen zu hören, dann herrschte Stille. Ich stand auf, sah noch mal auf die Wurst und entschloss mich, sie mir zukünftig als Ente vorzustellen. Ich goss mir eine Tasse Kaffe ein, setzte mich zurück auf meinen Stuhl und bestrich mir ein Brot mit dem Rest Marmelade, den mir Paul übrig gelassen hatte. Ich musste zugeben, dass die Marmelade ausgezeichnet schmeckte. Als ich meinen Arm, mit dem Brot zum Mund führte, fiel eine weiße Engelslocke aus meinem Morgenmantel. Ich hob sie auf und hielt sie begutachtend in meiner Hand. Sie fühlte sich leicht und weich an und erinnerte mich an ein wohliges Gefühl.

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Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer