Dein Freund – Blog
Die erste TierBeschützerorganisation der Welt

Unter dem Text findest du den Link zum Hörbuch. Viel Spaß!

Horst heißt mein Hund und ist ein Schwein. Meine Eltern haben ihn mir zu Weihnachten geschenkt und dazu stolz gesagt: „Das ist ein reinrassiger Schweinehund.“ Und ich habe gesagt: „Au fein!“ Meine Eltern haben gesagt: „Du musst ihn gut behandeln, er ist jetzt dein Freund.“ Und ich habe gesagt: „Au fein!“ Meine Eltern haben mir ein Halsband für Horst gegeben und gesagt: „Behandle ihn am Besten wie einen ganz normalen Hund, damit sich niemand über ihn lustig macht.“ Und ich habe gesagt: „OK“ und mich gefragt, warum sich jemand über Horst lustig machen sollte. Aber ich habe nichts gesagt und mich über Horst gefreut.

Am nächsten Tag habe ich meine Eltern beim Frühstück gefragt: „Was ist denn der Unterschied zwischen einem ganz normalen Hund und einem Schweinehund?“ Und meine Eltern haben gesagt: „Ein Schweinehund weiß noch nicht, ob er ein Schwein oder ein Hund werden will.“ Da habe ich verdutzt geguckt und gefragt: „Und warum soll Horst ein Hund werden?“ Und meine Eltern haben geantwortet: „Weil ein Hund ein Haustier ist und Haustiere nicht gegessen werden. Oder möchtest du etwa, dass jemand Horst isst?“ Daraufhin habe ich geschluckt und Horst hat mich ängstlich angesehen.

Horst hat jetzt die letzten zwei Wochen bei uns in einer Hundehütte vor dem Haus gewohnt und ich habe ihn behandelt wie einen ganz normalen Hund, weil ich nicht wollte, dass ihn jemand isst. Ich habe ihm beigebracht mit dem Schwanz zu wedeln, den Postboten anzubellen und Pfötchen zu geben. Nachdem wir ganz viel zusammen geübt hatten, habe ich alles meinem Vater gezeigt und ihn gefragt: „Ist Horst jetzt ein ganz normaler Hund?“ Daraufhin hat mein Vater uns den Kopf getätschelt und gesagt: „Ein ganz braver Hund ist dein Horst.“ Das hat mich gefreut und Horst war auch glücklich, dass er alles richtig gemacht hat. Damit, dachte ich, wäre Horst vom Tisch und ich habe nicht weiter über das Hundeding nachgedacht.

Doch als ich heute mit Horst eine Runde um den Block gedreht habe, traf ich Jens, einen Jungen aus meiner Klasse. Jens drehte ebenfalls mit seinem Hund eine Runde um den Block. Als Jens Horst sah, hat er gelacht und gesagt: „Das ist ja ein Schwein.“ Dann hat Horst Jens angebellt, um ihm zu zeigen, dass er kein Schwein, sondern ein Hund ist und ich habe gesagt: „Horst ist ein reinrassiger Schweinhund.“ Daraufhin hat Jens noch lauter gelacht und gesagt: „Dass ich nicht lache.“ Und ich habe Jens grimmig angesehen und gesagt, dass Horst mein Freund ist und mir egal wäre, was er von Horst halte. Horst hat so getan, als ob ihn das alles nichts angehen würde und seine Nase, wie ein Hund, stolz in den Himmel gehoben, aber ich habe gemerkt, dass er sich schämt. Ich bin dann mit Horst gegangen, weil ich wütend auf Jens und meinen Vater und überhaupt alle war, und mich nicht länger unterhalten wollte. Später musste ich Horst trösten, weil ihn das, was Jens über ihn gesagt hat, sehr mitgenommen hatte. Horst hat geschluchzt und ich habe ihm erklärt, dass Jens ein Idiot sei. Doch Horst hat immer noch geschluchzt und dann habe ich zu ihm gesagt: „Mir ist es egal, ob du ein Hund oder ein Schwein bist. Ehrlich, das darfst du ganz allein entscheiden und ich habe dich genauso lieb, wenn du dich entscheidest ein Schwein zu werden.“ Horst hat mich mit großen verweinten Augen angesehen und ich habe ihm gesagt: „Es ändert wirklich nichts an unserer Freundschaft und ich werde nicht zu lassen, dass dir irgendwer etwas antut.“ Dann musste ich auch weinen, weil die Welt nicht nur unsinnig ist, sondern auch gemein.

Als Horst sein weiches Gesicht an meines drückte als Beweis unsere Freundschaft, und er wieder etwas lächelte, fasste ich einen Entschluss. Ich ging zu meinen Eltern und habe ihnen erzählt, dass Jens sich beim heutigen Spaziergang über Horst lustig gemacht hat, obwohl Horst sich wie ein ganz normaler Hund verhalten hatte. Und mein Vater hat gesagt: „Hm.“ Und ich habe gesagt: „Es ist mir wirklich egal, ob Horst ein Hund oder ein Schwein ist. Wirklich egal ist mir das,“ habe ich noch mal wiederholt und meine Mutter hat gesagt: „Hm.“ Ich habe gesagt: „Es ändert nichts und auch gar nichts, ob sich Horst wie ein Hund oder ein Schwein benimmt, weil Horst nämlich mein Freund ist.“ Und meine Eltern haben zusammen gesagt: „Hm.“ Ich habe ihnen erklärt, dass ich es nicht zu lassen werde, dass jemand Horst etwas antue, nur weil er ein Schwein sein will. Dann habe ich meine Arme über meiner Brust verschränkt und gesagt: „Und ich werde nie wieder ein Schwein oder ein anderes Tier essen, weil nur Erwachsene so dumm sein können, Tiere in Freunde und Essen einzuteilen.“ Damit war die Sache ein für alle mal geklärt und Horst durfte sein was er wollte.

Seither behandeln meine Eltern und ich Horst weder wie ein Hund noch wie ein Schwein, sondern wie einen Freund, worüber sich Horst freut. Horst wohnt jetzt nicht mehr in der Hundehütte, sondern in meinem Zimmer und darüber freut sich Horst erst recht.

Schweinehund Hörspiel
Bitte klick auf den Link um dir das Hörbuch anzuhören!

* * *

Eine Geschichte von Tobias Hagenbäumer // Eingelesen von Tobias Hagenbäumer // Illustration von ditrue